!! VORWEG EINE ERNSTZUNEHMENDE WARNUNG !!
Blicken Sie niemals durch ein Teleskop, welches auf die Sonne gerichtet ist, ohne sich vorher zu überzeugen, dass geeignete Schutzmaßnahmen zur Licht- und Energiereduzierung getroffen wurden. Ein ungeschützter Blick, selbst durch ein kleines Sucherfernrohr, kann das Auge dauerhaft – bis zur völligen Blindheit – schädigen. Die einzige Ausnahme ist die Beobachtung mittels eines Sonnenprojektionsschirms.
Sonnenfilter sind die optimale Lösung zur Energiereduzierung für visuelle- oder fotografische Sonnenbeobachtungen im integralen (weißen) Licht. Es gibt verschieden Lösungen, die Licht- und Wärmekonzentration im Brennpunkt eines Teleskops zu reduzieren. Es muss aber deutlich zwischen der visuellen und der fotografischen Beobachtung unterschieden werden. Hier spielt unter anderem die Filterdichte eine entscheidene Rolle (siehe auch die Tabelle weiter unten).
Generell ist beim Einsatz von Sonnenfiltern die Art der Beobachtung zu unterscheiden.
Bei der visuellen Beobachtung ist unbedingt darauf zu achten, dass das verwendete Filter auch die für das menschliche Auge sehr schädlichen Ultraviolett- und Infrarotanteile des Spektrums herausfiltert. Bei zertifizierten Filtern ist das zuverlässig der Fall. Bei Verwendung von nicht zugelassenen, bzw. nicht geprüften Filterlösungen riskiert man bleibende Augenschädigungen bis hin zur völligen Blindheit. Deshalb raten wir von allen “Billiglösungen” ab, die in älterer Literatur immer wieder auftauchen, wie z.B.: ausbelichtete Negativfilme, Röntgenfilme, berußte Glasplatten, KFZ-Rettungsfolie oder ähnlichen Methoden. Die aktuellste – gefährliche – Methode, die auf dem “Markt” ist, ist die Beobachtung durch eine Musik- oder Daten CD-ROM hindurch. Alle diese Beobachtungsmethoden sind unsicher und würden niemals eine Zulassung für die Sonnenbeobachtung bekommen, weder mit bloßem Auge und schon gar nicht durch ein Teleskop!
Auch sog. “Sonnen-Okularfilter” (siehe rechts), wie sie früher oft bei kleineren Kaufhausteleskopen mit Frontdeckeln von ca 40 mm Öffnung zur Sonnenbeobachtung mitgeliefert wurden, sind heutzutage ebenfalls völlig vom Markt verschwunden und sollten keinesfalls mehr eingesetzt werden. Solche Okularfilter stehen immer in der Nähe des Teleskopbrennpunktes, werden an dieser Stelle extrem heiß und können ohne Vorwarnung plötzlich zerspringen.
Anders als bei der visuellen Beobachtung möchte man oft für die Sonnenfotografie sogar einen möglichst weiten Spektralbereich erfassen können, um auch im ultravioletten Licht (der Kalzium K-Wellenlänge) feinste Details der Sonnenoberfläche (bitte nur fotografisch!) zu erfassen. Bei der Fotografie spielen generell andere Faktoren, wie z.B. die Bildschärfe, eine wesentliche Rolle. Bei Übersichtsaufnahmen der ganzen Sonne, z.B. mit einem Teleobjektiv oder bei geringer Vergrösserung mit einem Teleskop kann man die gleichen Filter anwenden wie bei der visuellen Beobachtung. Nur wenn man kleine Bereiche der Sonnenoberfläche mit hoher Vergrösserung durch ein Teleskop aufnehmen will versucht man durch extrem kurze Belichtungszeiten die Luftbewegung (in der Erdatmosphäre) regelrecht einzufrieren. Es gab sehr mutige Amateure, die zu diesem Zweck versucht haben, die Licht- und Wärmedämpfung nur über die Verschlusszeit zu regulieren und die sich dann gewundert haben, dass der Schlitzverschluss ihrer Kamera bereits während einer tausendstel Sekunde Belichtungszeit zerschmolzen ist. Bei modernen DSLR- und Video-Kameras würde in diesem Fall der Bildsensor irreparabel beschädigt. Auch bei der Fotografie von kleinsten Details auf der Sonnenoberfläche muss folglich das Sonnenlicht entsprechend abgedämpft werden, schwächer zwar, aber ganz ohne Filterung geht es nicht.
Die Filterwirkung (Licht- und Wärmereduzierung von Sonnenfiltern) wird entweder in der optischen Dichte (OD), der Transmission (T) in Prozent oder in der Absorption (astronomische Größenklassen) angegeben. Die drei Größen stehen folgendermaßen in folgendem Zusammenhang:
| Optische Dichte dimensionslos |
Transmission T [%] |
Absoption [astronomische Größenklassen, m] |
Filterfaktor [1zu X] |
Anwendung |
| 2.0 | 1 | – 5 | 100 | fotografisch |
| 3.0 | 0.1 | -7.5 | 1 000 | fotografisch |
| 3.5 | 0.03 | -8.8 | 3 333 | fotografisch |
| 4.0 | 0.01 | -10 | 10 000 | fotografisch |
| 4.5 | 0.003 | -11.3 | 33 333 | visuell + Zusatzfilter |
| 5.0 | 0.001 | -12.5 | 100 000 | visuell |
Filter der Dichte 2 sind Prismen und ausschließlich fotografisch einsetzbar. Filter der Dichte 4 bis 5 eignen sich nicht für die Detail-Fotografie, da die resultierenden Belichtungszeiten zu lang werden. Dies gilt für moderate Teleskop-Öffnungsverhältnisse von ca. 1:8 bis 1:15 (Refraktoren). Die Belichtungszeiten sollten – je nach Kameragehäuse – nicht länger als 1/500 bis 1/2000 Sekunde sein, um Luftunruhe “einzufrieren”
Hauptsächlich kommen nur drei Möglichkeiten zu Energiereduzierung in Betracht:
- Objektivfilter aus Glas (planparallel polierte Glasplatten vorausgesetzt)
- Objektivfilter aus Folie
- Prismen – kurz vor dem Teleskopbrennpunkt
Die Filterung des Sonnenlichtes vor dem Refraktorobjektiv oder vor der Lichteintrittsöffnung eines Spiegelteleskops hat den Vorteil, dass Licht und Wärme gar nicht erst in den Instrumententubus gelangen, und dort keine Bildunschärfen durch Luftwallungen (d.h. durch instrumentelle Seeingeffekte) erzeugen können.
Für Spiegelteleskope aller Art (ausgenommen spezielle Eigen- oder Sonderkonstruktionen) ist die Filterung vor der Eintrittsöffnung ein absolutes MUSS, da durch den konzentrierten Strahlengang sogar der Fangspiegel zerspringen kann und/oder Tubusblenden (vor allem die Kunststoffblenden von SC-Teleskopen) in Brennpunktnähe durch die Wärme zerstört werden können. Für Spiegelteleskope aller Art kommen somit nur Objektivfilter in Frage (es sei denn man blendet die Lichteintrittsöffnung soweit ab, dass die Auflösung dramatisch leidet).
Die Filterung mit Prismen in der Nähe des Brennpunktes kommt nur für größere Refraktoren in Frage und ist auch nur dann empfehlenswert, wenn man sehr hohe fotografische Bildvergrößerung bei der Okularprojektion anstrebt. Für Spiegelteleskope ist diese Art der Filterung aus oben genannten Gründen nicht empfehlenswert und gefährlich.

