Chromosphäre mit den rot leuchtenden Protuberanzen

Perlschnurphänomen und Totalität

Während der extrem kurzen Dauer des Perlschnurphänomens (auch Diamantring-Phänomen genannt) hat man noch viel Licht zur Verfügung, die Aufnahmen dürfen aber nicht mehr dicht gefiltert werden, sondern die Lichtmenge wird schon über Blende des Teleskops und die Belichtungszeit und/oder die Empfindlichkeit geregelt. Das heißt, das Objektivfilter für die Aufnahmen der partiellen Phase muss entfernt werden.

Perlschnur-Phänomen

Montage von 4 Aufnahmen, die während der Finsternis 1999 in Rumänien in einem kurzen Zeitintervall belichtet wurden. Aufnahmen © W. Paech

Das Perlschnur-Phänomen entsteht dadurch, dass letzte Lichtstrahlen der Sonne durch Täler am Mondrand scheinen. Protuberanzen und die innere Korona werden bereits sichtbar.

Hier ist es dringend empfehlenswert die Kamera im Serienbildmodus zu betreiben, um soviel Rohaufnahmen wie möglich abzuspeichern. Die ersten Aufnahmen einer solchen Reihe werden mit Sicherheit noch überbelichtet sein, können jedoch leicht aussortiert werden.

Für Aufnahmen des Perlschnurphänomens kommen eigentlich nur Fokalaufnahmen mit Brennweiten zwischen 1000 und 2000 mm in Frage. Zu Beginn hat man noch volles Sonnenlicht (kann zu deutlichen Überbelichtungen führen), gegen Ende werden dann “schlagartig” Protuberanzen und die innere Korona sichtbar.

Aufnahme ca. 1/5 Sekunde vor Eintritt der Totalität. Instrument 130mm Refraktor mit 860mm Brennweite und 2fach Konverter. Zimbabwe 2001.

Aufnahme ca. 1/5 Sekunde vor Eintritt der Totalität. Instrument 130mm Refraktor mit 860mm Brennweite und 2fach Konverter. Zimbabwe 2001.

Die Belichtungszeiten (100 ASA, Öffnungsverhältnis 1:10) liegen sehr grob bei ca. 1/1000 Sekunde, solange noch Sonnenlicht durch Mondkrater fällt bis hin zu 1/10 Sekunde, wenn Protuberanzen sichtbar werden. Aufnahmen des Perlschnurphänomens werden ungefiltert aufgenommen. Um hohe Detailauflösung (Protuberanzen) zu erreichen, sollte die Brennweite so um die 1500mm betragen. Bitte beachten Sie, dass die her angegebenen Belichtungszeiten nur absolut grobe Richtwerte sein können.

Auch Ausschnitte des Sonnenrandes mit längeren Brennweiten sind sehr reizvoll. Bedenken Sie bitte, dass für längere Belichtungszeiten die Montierung motorisch nachgeführt werden muss. Die partielle Phase kann auch ohne Nachführung aufgenommen werden.

Direkt nach Beendigung des Perlschnurphänomens – bevor die Korona in ihrer vollen Pracht aufleuchtet – kann man für wenige Zehntel Sekunden die Chromosphäre mit den rot leuchtenden Protuberanzen fotografieren.

Chromosphäre mit den rot leuchtenden Protuberanzen

Aufnahme 1999 in Rumänien, belichtet ca. 1 Sekunde auf Kodak Kodachrome 64 mit einer Brennweite von 1000 mm. Bild: © 2001, W. Paech

Nach Beendigung des Perlschnurphänomens – während der Totalität – ist die Lichtintensität sehr gering. Dementsprechend muss die Belichtungszeit den Aufnahmebedingungen angepasst werden. Die Korona hat etwa mittlere Vollmondhelligkeit. Will man möglichst viel “Fotoausbeute” empfiehlt es sich jetzt, Reihenaufnahmen mit steigender Belichtungszeit aufzunehmen (Richtwerte: 100 ASA, Öffnungsverhältnis 1: 10 etwa Start mit 1 Sekunde, beenden mit 24 Sekunden).

Die Sonnenkorona kann in ihren äußersten Ausläufern eine Größe von mehreren Sonnendurchmessern erreichen. Beachten Sie dies bei der Wahl ihrer Aufnahmebrennweite.

Die innere Korona

Die äußere Korona

 

 

 

 

Bitte beachten Sie: Alle hier gezeigt Aufnahmen wurden noch mit Filmmaterial aufgenommen. Durch die Möglichkeit heutiger Bildverarbeitungstechniken sind Darstellungen der inneren- und der äußeren Sonnenkorona in einem Bild möglich.

© 2015: Text und alle Abbildungen (Ausnahmen gekennzeichnet): W. Paech

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